Wie der Große Münsterländer unser Herz erobert …

Anfang Februar 2018 waren mein Mann und ich zur Prüfungsvorbereitung für die Jägerprüfung in Wunsiedel. Zu diesem Zeitpunkt besaßen wir drei Hunde, alle nicht jagdlich geführt und uns war klar, sobald wir die Jagdprüfung erfolgreich abgelegt haben, werden wir uns einen Jagdhund zulegen.

Wir hatten uns im Vorfeld viele Gedanken gemacht, auf einer anderen Seite gerne als Hilfe nicht nur für Erstlingsführer, worüber Ihr Euch vor der Anschaffung eines Jagdhundes oder Welpens Gedanken machen solltet, uns war wichtig ein Vorstehhund als Allrounder, langes Fell, Größe und kein Schwarz im Fell, da kamen nicht mehr sehr viele Rassen in die Auswahl.
In Gesprächen mit anderen Jägern, auf Messen und mit Züchtern hatten wir in die engere Wahl den Langhaarweimaraner ins Auge gefasst.

Dann geschah es, erster Unterrichtstag Donnerstagnachmittag, nach dem das erste Prüfungsfach „Jagdrecht“, welches uns den Wissenstand am Vormittag widerspiegelte – folgte am Nachmittag das Prüfungsfach „Jagdhunde“ mit Egbert Urbach als Referenten.
Herr Urbach stellte uns zu den einzelnen Rassen viele mögliche typische Prüfungsfragen und plötzlich nach ca. 45 gefühlten unterschiedlichen Hundebildern, glänzten seine Augen, ein Lächeln war auf den Lippen zu erkennen, seine Stimme war beschwingt und versprühte eine atemberaubende Atomsphäre.

Was war geschehen, der Beamer warf ein Foto eines Großen Münsterländer an die Leinwand.

Eine atemberaubende schöne Hündin, v.W. Catja vom Hochholz 59/10A. Herr Urbach stelle seine üblichen Fragen, wie zuvor auch zu dieser Rasse, trotzdem war es anderst, in einem Nebensatz erwähnte er beiläufig, dass dies die Mutter seiner Hündin sei und er diese abgeführt hatte.

v.W. Catja vom Hochholz 59/10A

Ich stupste meinen Mann an, welcher zur rechten Seite neben mir saß und flüsterte leise „Was meinst Du zu dieser Rasse?“ Er nickte zustimmend zu.
Am Montag nach den vier Tagen Prüfungsvorbereitung, setzte ich mich an den PC googelte die Rasse, informierte mich auf Verbandseiten, Züchtern und kaufte mir das Buch: „Der Große Münsterländer“.

Es war um uns geschehen.

Drei Monate nach der bestandenen Jägerprüfung und ersten Erfahrungen als Begehungsscheininhaber in einem Revier, wo unser Jagdherr einen Deutschen Wachtel führte, war klar, dass unsere Navi (Flat-Cated-Retriever-Hündin) zwar Spaß und Freude mit uns auf der Jagd hat, aber als Spezialist für die Wasserarbeit kein Allrounder wird und mit Ihren acht Jahren auch keiner mehr werden muss.

Navy – Flat Coated Retriever-Hündin

Nun die Frage „Wie kommen wir an einen seriösen Züchter und einen gesunden Welpen?“.

Warum rufen wir nicht unseren Referenten von der Prüfungsvorbereitung an. Egbert Urbach freute sich erstmal, dass wir die Jagd ausleben und nicht nur Jagdscheininhaber sind und noch mehr, dass wir uns für die GMs interessieren. Er gab uns viele Informationen und Züchter, bei denen aktuelle Würfe lagen und erwähnte beiläufig, dass seine Ex-Frau Carola Urbach, dieses Jahr wohl den letzten Wurf mit Catja planen würde.

Wir riefen die Züchter an und wie sollte es sein, die Welpen waren alle schon vergeben. Die Züchter meinten auch die Welpen fallen meist im Herbst oder Anfang des Jahres, Anfang Juni oder gar im Sommer Welpen zu bekommen, wäre schwierig und selten.
Nach einem ausführlichen Telefonat mit Frau Urbach und einer schriftlichen Bewerbung per Mail erhielten wir, am 16.06. die Bestätigung, dass der Ultraschall bei Catja 6 Welpen zeigen würde und dass der Wurftermin geplant sei für den 21.07.2018. Was bedeutet eine Abgabe ca. Mitte September 2018.
Da ich mich zwischenzeitlich in der Ausbildung zur Falknerin befand und ein Vollzeit-Praktikum in einer Falknerei absolvierte, war September ein optimaler Zeitpunkt um sich um den Welpen kümmern zu können.

Am 20.07.2018 schenkte Catja 3 Rüden und 5 Hündinnen das Leben. Diese Nachricht lies uns die Züchterin zukommen und so war klar, dass auch ein Rüde, welches unser Wunschgeschlecht wäre, dabei ist.

Catja vom Hochholz mit dem F-Wurf (2018)

Am 28.07.2018 dufte ich den Wurf das erste Mal besuchen und „die Wahl der Qual“ war schwierig. Alle Welpen nicht nur die der GMs sind süß und knuddelig.
Zwei Rüden kamen in die engere Auswahl und am 06.08. wurde der Entschluss gefasst, nach dem dieser junge Mann uns aussuchte.

Fly vom Hochholz 194/18
am 06.08.2018

Wir haben wöchentlich den Wurf, Catja mit Tante Frena und somit unseren Fly besucht.


Am Sonntag den 16.09. war es dann soweit die Theoretische Ausbildung der Falknerei war abgeschlossen und jetzt hieß es auf die Prüfung lernen und unseren Fly bei der Züchterin abholen.
Eine Woche zuvor hatte ich Decke und Spielzeug mitgebracht, damit der Geruch der Geschwister und der Mama sich ausreichend manifestieren konnten und der Trennungsschmerz hoffentlich nicht gar so schlimm für den kleinen Krieger werden würde.


Die 60-minütige Fahrt in die neue Heimat verlief problemlos. Mein Mann chauffierte uns nach Hause, während wir uns auch der Rückbank vergnügten. Nach kurzer Zeit schlief Fly total entspannt neben mir ein, wie auf dem Bild zu erkennen ist. Meine Hand hielt Körperkontakt zu Fly. Nach ca. 30 Minuten machten wir ein kleine Pinkelpause und dann ging es auch schon weiter.

Die Zeit verging, jeder Tag lernte der Bub etwas neues und es war einfach nur herrlich den Racker aufwachsen zu sehen.

Ihr fragt Euch jetzt sicherlich, wie entsteht ein Zwinger aus den Hochholzern, wenn allerdings keine Hündin vorhanden ist – auch dieses Rätsel soll gelöst werden.
Mit der Züchterin Carola Urbach entwickelte sich ein sehr freundschaftliches Verhältnis und wir blieben in einem engen Austausch mit vielen Tipps und Ratschlägen, wie ich Fly fördern und ausbilden solle.
So kam es, dass Sie mich am 29.11.2018 nachmittags etwas aufgelöst anrief. Mit der Aussage, wir benötigen dringend einen guten Platz für Fanny, das Schwesterchen vom Fly. Warum Carola als erstes an mich dachte, ich hatte sehr viele Jäger an der Hand, die einen GM vom Hochholz haben wollten, nachdem Sie Fly kennengelernt hatten. Ich telefonierte mit einigen und es war kurz drauf klar, dass Fanny einen guten Platz bekommen würde, es war noch nicht zu 100% sicher bei wem von den drei Interessenten aber bei allen dreien, wäre ich auch Hund in meinem nächsten Leben und das soll was heißen.

Am Freitagmorgen 10:00 Uhr holten wir, Carola und ich, Fanny von Ihren Besitzern ab, welche Sie nicht mehr haben wollten.

Ihr glaubt es kaum, die Haustür ging auf und eine Fanny sprang mir entgegen und freute sich wie eine kleine Prinzessin und wich mir nicht mehr von der Seite. Ich brauchte kein Halsband oder Leine, die Maus lief neben mir fast wie „bei Fuss“ zum Auto und als ich die hintere Tür öffnete sprang Sie auf die Rücksitzbank, wie selbstverständlich. Ein Fly der ebenfalls auf der Rücksitzbank saß, begrüßte sein Schwesterchen mit freudigen Schwanzwedeln und dann ging erstmal die Post im 5er BMW touring ab.
Die Übergabephase dauerte keine 8 Minuten in dieser wurde der Vertrag unterschrieben, die Papiere, ein Futtersack, eine frisch gewaschene Hundedecke und ein originalverpacktes Hundespielzeug sowie Leine und Halsband übergeben.
Im Anschluss fuhren Carola und ich auf einen ca. 650 Meter entfernten Feldweg. Ich öffnete die Autotür und die zwei Wölfe durften erstmal ausgiebig toben.

Fahrt für Fanny in Ihr neues Zuhause

Fanny ist eine sogenannte Rückläuferin, im Fachjargon der Züchter gesprochen. Was eigentlich nicht unbedingt etwas positives bedeutet, da Fanny Ende November 2018 mit 4,5 Monaten auch schon die wichtigste Phase der Sozialisierung durchlaufen hat.
Diese Phase ist für den Welpen und Hundeführer mit eine der bedeutendsten Phasen. In dieser Phase lernt der Welpe durch Neugierde und ist allem fremden sehr aufgeschlossen, daher sollte in dieser Phase dem Welpen soviel wie möglich spielerisch gezeigt werden, damit der Vierbeiner es im weiteren Leben leichter hat, dazu gibt auf einer weiteren Seite mehr Wissenswertes.

Zurück zu Fanny – zu Hause angekommen, wurde das Sofa in Beschlag genommen und unsere anderen drei Hunde, Abby, Navy und Knutschi lernten Fanny und Fanny die anderen Hunden kennen – was alles total unkompliziert verlief.

Fanny wird begrüßt und im Rudel aufgenommen. 30.11.2018

Die drei Interessenten wurden informiert, dass Fanny angekommen ist und wir vereinbarten, dass Sie jetzt erstmal ankommen darf. Fly und Fanny hatten gemeinsam im Haus und Garten Ihren Spaß und am Nachmittag war toben mit dem neuen Halsband im Revier angesagt.
Leider war nichts genaues über den Ausbildungsstand und Fannys bisherigen Erfahrungen bekannt, daher war es ein herantasten was kann und kennt Fanny.

Am Samstagvormittag hatten wir einen Termin lang im Vorfeld in einer Jagdschule vereinbart, da sollte mit Fly die Stubendressur und Futterschleppe vorgeführt werden. Fly und Fanny wurden auf die angehenden Jungjäger losgelassen und es war interessant wie sich Fanny an Fly orientierte.
Am Nachmittag fuhren wir drei, mit dem Wohnmobil zu meinem Falkner und auch hier gab sich Fanny als wäre Sie schon immer auf dem Areal zu Hause.

Während der Fahrt im Wohnmobil, liegen beide zusammen im Hundebettchen
Später liegen beide in meinem Bett zugedeckt mit der Kuscheldecke von Fly.

Am Sonntag hatten wir ebenfalls lang im Vorfeld seitens der Falknerei geplant, einen Stand auf einem Adventsmarkt mit Greifvögel auszustellen um Kindern und Erwachsene die Jagd (Beizjagd) mit Greifvögel näher zu bringen auch hier waren Fly und Fanny mitten im Geschehen dabei.

Nach einem aufregenden und erfahrungsreichen Wochenende für Fanny wieder zu Hause angekommen, war die Begrüßung von Abby, Navi und Knutschi als ob die vier sich schon ewig kennen.

Spätestens, jetzt war der Punkt gekommen, dass ich meinem Mann erklären durfte, dass Fanny uns nicht mehr verlassen wird. Seine Antwort darauf: Wo vier Hunde einen Platz haben hat auch noch ein fünfter Platz.“

Wenn Ihr allerdings glaubt so problemlos ging es weiter, nein ganz sicherlich nicht, es gab auch Schwächen in der Lebenserfahrung und Ausbildung von Fanny, welche Fly in den ersten Lebensmonaten gemacht hatte, aber mit Liebe und Geduld war alles zu schaffen.

Als Erstlingsführerin hatte ich zwei GMs auszubilden und auf die Prüfungen VJP und HZP in 2019 zu führen, dies war sicherlich nicht immer einfach, was an manchen Ergebnissen in den Prüfungen zu erkennen ist. Wie sagte Egbert in solchen Momenten zu mir: „Hund spitze – Führer miserable“ und er hat wie bei so vielem Recht. Es liegt nie am Hund sondern an dem, der den Strick sprich die Leine in der Hand führt.

Mit Egbert und Milo hatte und habe ich eine klasse Unterstützung für und während der Ausbildung und heute freuen wir uns, mein Mann und ich, das Fly und Fanny uns verbinden und sich daraus eine dicke Freundschaft über die Hunde hinaus entwickelt hat.
Ich bereue nichts, wenn Ihr heute die zwei „Wölfe“ Fly und Fanny gemeinsam im Revier zusammen als Team arbeiten seht, ist es einfach nur ein Traum, wie zwei Hunde im Team jagen können.

Zu guter Letzt, wie kam es dazu, dass ich mich entschloss einen Zwinger zu gründen und Fanny als Zuchthündin anzumelden. Den Floh haben mir Egbert und Carola auf der Jugendzuchtschau 2019 in Karlshuld ins Ohr gepflanzt. Mir war bewusst, dass ich zwei klasse Hunde am Strick hab. Ich muss allerdings gestehen, dass Ergebnis der Zuchtschau musste erst in meinem Kopf reifen. Egbert und Carola freuten sich so sehr darüber, dass wir noch vor Ort mit Sekt angestoßen haben. Noch kein Jahr alt, wurden beide „Wölfe“ im Haarwert mit „Sehr gut“ und im Formwert mit „vorzüglich“ bewertet, was der Höchstbewertung in der Jugendklasse entspricht.

Einige weitere Gründe für mich einen Zwinger zu gründen und die Zucht mit Fanny vom Hochholz anzustreben:
Das Potenzial was Fanny vom Hochholz aus der Hochholz-Linie mit sich bringt, mit einer zielführend Verpaarung zu kombinieren um gesunde Welpen mit rassetypischen Merkmale für den Fortbestand der Rasse mit Liebe, Ausdauer und Geduld aufzuziehen. Die Arbeitsfreude, Führigkeit, das Temperament und die jagdlichen Leistung sowohl am Raubwild, bei der Nachsuche, im Wasser, im Feld und Wald ist ein Genuß und einfach atemberaubend zu zusehen.
Die Mutterlinie, welche Sigurd Käser 1967 mit Gründung des Zwingers vom Hochholz und 1999 durch Übergabe an Carola und Egbert Urbach, aufrecht zu erhalten.

Den Spaß, die Freude und auch die Zeit zu haben um Welpen aufzuziehen sind ebenfalls wichtige Gründe für uns.
Welcher Züchter behauptet, das Welpen keine Arbeit bereiten oder noch schlimmer die These aufstellen das macht alles die Hündin von alleine und als Züchter muss man sich um nichts kümmern, hier solltet Ihr Euch unbedingt tiefere Eindrücke von der Zuchtstätte einholen. Denn je älter die Welpen werden umso mehr Aufmerksamkeit und Einsatzbereitschaft wird vom Züchter erwartet, damit die Welpen eine solide Grundlage für Ihr zukünftiges Leben als Jagdhund mitbekommen.